Kulturschock: Oahu - Big Island

Hallo zu unserer nächsten Etappe. Gleich im voraus möchte ich erwähnen, dass ich nochmals ein paar Worte über Autos verlieren muss. Fasse mich aber kurz. Vielleicht. Dieser Bericht beinhaltet ausserdem: Kulturschock, Vulkan, Wasserfall, Berg.



Erst mal zum Kulturschock. Nach dem ruhigen, gemächlichen Neuseeland kippten wir in Honolulu beinahe aus den Latschen. Neben Honolulu wirkt sogar Auckland wie ein verschlafenes Provinznest! Die Durchschnittsgeschwindigkeit auf dem Highway vom Flughafen in die Stadt betrug etwa 10 mph (Meilen pro Stunde, 16 km/h). In der Stadt warens dann noch 5 mph. Tausende Autos! Abgesehen davon schien Waikiki ein Shoppingparadies zu sein. Zwar hatten schon fast alle Shops geschlossen, doch reihte sich ein Schaufenster ans andere. Der Plan für den nächsten Morgen war schnell klar: Karte kaufen, Ausflug machen, Waikiki erkunden. Tönt einfach, ist es aber nicht. Denn für Bücherläden ist neben den teuren Modelabels kein Platz mehr. Die Karten an Tankstellen sind notorisch ausverkauft und wo man denn Karten kaufen kann, ist unklar. So machten wir uns halt nach Gefühl mal auf in Richtung Pearl Harbor. Nach etwa einer Stunde im Stau kamen wir an einer Shoppingmall vorbei. "Hier wird es ja wohl eine Karte geben", dachten wir uns und machten uns wieder auf die Suche. Zwar gab es diesmal einen Bücherladen, der verkaufte aber nur Second Hand, und nein, eine Karte war nicht dabei. Nach ein paar mal Fragen wurden wir an den "Drug Store" verwiesen. Eine Art erweiterte Apotheke, sprich der letzte Ort der Welt, wo ich nach einer Karte gesucht hätte. Und tatsächlich! Zwar nur von Oahu und nicht von allen Inseln, aber immerhin! So fanden wir dann auch den Weg nach Pearl Harbor, wo uns dann erklärt wurde, dass wir zu spät seien. Ernüchterung machte sich breit. Einen ganzen Tag auf der Suche nach einer Karte und im Stau verschwendet und jetzt ist alles zu? Moment, Diamond Head, der Krater im Süden Honolulu's ist noch in der Nähe. Also zurück durch das Verkehrschaos und ans andere Ende der Stadt. Da wollten sie uns aber auch nicht mehr rein lassen, da der Park um 18.00 Uhr schliesst. Wir meinten wir seien Schweizer und sind uns Berge gewohnt, wir schaffen das schon noch. Etwas widerwillig liess er uns dann doch noch rein. Und wir hielten Wort. Wir Schweizer waren so schnell, dass wir noch Zeit für eine Partie Schach gehabt hätten. Zurück in der Stadt machten wir uns ans Nachtessen und gingen bald ins Bett. Reisen macht müde.

Der nächste Tag begann etwas verheissungsvoller. Wir hatten einen Tipp für einen Bücherladen erhalten und konnten uns doch noch mit einer umfassenderen Karte und einem Reiseführer eindecken. Sensationell ausgerüstet fuhren wir in unserem Cabrio (mehr dazu später) zum Pali Lookout. Von da hat man einen schönen Ausblick über den Nordosten der Insel. Sofern man einen Platz ergattern kann. Erinnerungen an die 12 Apostel kamen auf. Nächster Stopp: Pearl Harbor, diesmal rechtzeitig. Persönlich finde ich den Hype um Pearl Harbor übertrieben. Die Geschichte ist so packend wie schrecklich, jedoch finde ich den Gedanken etwas abwegig, auf einem Monument rum zu spazieren, das über einem gesunkenen Schiff erbaut wurde, aus dem nach 71 Jahren immernoch Öl austritt und, vorallem, immernoch Menschen darin sind. Oder was von ihnen übrig geblieben ist. Erfreulich andererseits ist, dass die Ausstellungsräume wider erwarten sehr neutral und edukativ gestaltet sind. Nichts von: "wir haben die Welt vor den bösen Japanern und Deutschen befreit". Positiv überrascht.
Da wir ja einen ganzen Tag verschwendet hatten, waren wir etwas knapp an der Zeit und besuchten deshalb leider die zusätzlichen Ausstellungen nicht (U-Boot-, Zerstörer-, Flugzeug-Museum). Nein, wir setzten zur Inselrundfahrt an. Erst ganz in den Norden, dann um den Spitz rum und dann ins Polynesian Culture Center. Welches komischerweise immer am Sonntag geschlossen ist. Komischerweise war Sonntag. Komischerweise begann es auch zu regnen. Und komischerweise wurde aus unserem Cabrio ein normales Auto mit Dach. Ja ich weiss, der Zusammenhang fehlt ein wenig in den paar Sätzen vorher. Aber a: wars wirklich so und b: tönt's dramatischer. Wie dem auch sei. Den Rest des Tages verbrachten wir also im Auto, fuhren die Ostküste runter unten rum und wieder nach Honolulu. Es soll an dieser Stelle erwähnt sein, dass die Ost- und Südküste traumhaft sein müsste. Nur schon bei Regen und tiefen Wolken sah es schön aus. Ich will nicht wissen, wie es bei schönem Wetter aussehen könnte... Zurück in Honolulu war das Wetter etwas besser und wir konnten so doch noch ein wenig durch die Shops bummeln. Aber nicht zu lange, denn der Flug am nächsten Morgen geht früh!

Am 06.02. setzten wir uns also wieder in einen Flieger und landeten nach einer knappen Stunde in Kona, im Westen von Big Island, oder Hawai'i, wie sie eigentlich heissen würde. Wieder nahmen wir unseren Mietwagen entgegen. Diesmal machten wir das Upgrade auf einen Jeep. Einen Jeep Wrangler, um genau zu sein. Und das bringt mich zum kurzen Exkurs über Autos. Gemäss Jeremy Clarkson von TopGear ist das wohl schlechteste Auto der Welt wohl was? Kia Sorrento? Smart? Irgendein Daihatsu oder ein Lada? Nein, es ist der Chrysler Sebring Cabrio. Genau das Auto, welches wir auf Oahu hatten. Und das auch nur, weil alle Jeremy's Bericht wohl gelesen hatten und deshalb alle Ford Mustang Cabrios bereits weg waren. Naja, was kann ich sagen. Der Mann hat vermutlich recht. Die Sitze sind Scheisse. Wie der Motor. Und die Automatik. Ach ja, und die Lenkung ist der blanke Horror. Aber mit all dem könnte man noch leben, wenn man nicht bereits Seekrank wäre von der komplett inakzeptablen Federung. Deshalb mein Tipp an alle: Solltet ihr jemals ein Cabrio mieten, wo es heisst "Ford Mustang oder vergleichbar", nehmt lieber einen Smart als den Sebring. Kein Witz. Und nun zurück zum Jeep. Der ist grundsätzlich von der selben Firma, nehme ich an. Schliesslich sind die Klimaarmaturen identisch, und einiger weitere Billigteile. Aber dann hört es bald auf mit Gemeinsamkeiten. Nicht, dass der Jeep ein super Auto wäre, nein. Aber es ist ein den Umständen angepasstes Gefährt, was tut, wofür es gebaut wurde. Auf der normalen Landstrasse mit Schlaglöchern besteht akute Gefahr, dass sich die Wirbelsäule selbstständig macht, zum Beispiel. Aber kaum verlässt man die Strasse, ist man im Paradies. Eben, es macht was es soll. Nun wie weiter... Übermorgen fliegen wir nach Maui. Wir könntens mit einem Mustang Cabrio versuchen. Oder evtl. gleich mit einem Dodge Charger. Oder Challenger. Ich werd's euch wissen lassen.
Jedenfalls fuhren wir gleich bei schönstem Wetter der Westküste entlang runter in den Volcanoes National Park. Ein kurzer Stop beim südlichsten Punkt der USA und schon standen wir vor dem Nationalpark. Und es ist nicht irgendeiner. In diesem Park brodelt der Kilauea vor sich hin, der aktivste Vulkan der Erde. Weil sich sein Krater nicht mehr schloss, gilt er als "ausgebrochen seit X Jahren" Nicht "vor", sondern "seit". Einerseits leider, andererseits zum Glück war er aber nicht sonderlich aktiv während unserem Besuch. Etwas Rauch und in der Nacht ein glühender Kessel. Auch das zweite Phänomen, die Lava die ins Meer fliesst, hatte keine Lust zu fliessen. Auch diesem Naturspektakel konnten wir leider nicht beiwohnen. Unser Highlight war ein anderes. Wir waren absolut fasziniert von den Lavaströmen, die einst (2003) die Ringstrasse unter sich begruben. Einfach die Vorstellung und der Anblick sind so gigantisch! Wir spazieren da der Strasse entlang uns auf einmal wir der Weg von einer festgewordenen Lavamasse versperrt. Die Parkranger haben zwei kurze Wege ausgeschildert, bei denen man auf den Lavagesteinsformationen herumspazieren kann. Wunderschön. Am Abend, als die Sonne unterging, bot sich beim Kilauea Krater ein schönes Farbschauspiel. Die untergehende Sonne, der Rauch aus dem Krater, das Dunkel der Nacht und das rote Glimmen im inneren des Kraters. Trotzdem wars kalt. Aber schön.

Gestern Morgen fuhren wir von Volcanoes Village die Ostküste hoch und dann zurück nach Kona. Das nächste nennenswerte Dorf nach dem Nationalpark in unserer Richtung war Hilo. Ein schönes Örtchen an der Küste. Wir genehmigten uns ein Sandwich aus einem Super-Öko-Bioladen. Aber es war wohl das beste Sandwich seit Beginn unserer Reise. Noch besser als das Sandwich waren dann aber die Wasserfälle um Hilo herum. Zum Beispiel der Rainbow Fall, der seinen Namen wirklich von den Regenbögen hat, die seine Gischt mit der morgendlichen Sonne hinzaubert. Wir waren zu spät. Der Fall ist trotzdem schön. Eindrucksvoller ist jedoch der Akaka-Fall, nördlich von Hilo. Mit irgendwas um die 130 Metern ein ziemlich mächtiger Fall. Und dann erst noch in schönem Regenwald gelegen. Oh, Moment. Zwischenfrage bevor ichs vergesse: weiss jemand wie viel Geschwindigkeitsbussen kosten? Da niemand die Tafeln beachtet, passe ich mich einfach an: "hm... hier gehts gerade aus, ich fahr mal 60 mph". Zurück zum Thema. Ach ja, Wasserfälle. Ganz im Norden wäre noch der grösste Wasserfall Hawaii's. Der liegt im Waipio-Tal, welches den Ureinwohnern heilig ist. Wir waren zwar in der Minderheit, die das respektiert hatten, aber deshalb haben wir die Fälle nicht gesehen. Kaum hatten wir die Küste verlassen, verlief die Fahrt wenig spektakulär. Nicht, dass die Landschaft nichts zu bieten hätte, vermutlich, aber einfach weil das Wetter mal wieder schlecht war. Bis kurz vor Kona. Kaum etwas Sonne hielten wir beim ersten Ausguck und wussten nicht, ob wir lachen oder weinen sollten. Lachen ganz klar, weil die Sonne wieder da ist. Weinen wäre auch sehr passabel gewesen, da irgend ein Idiot zwei tote Wildschweine unterhalb des Aussichtspunkts deponiert hatte. Deren Verwesungsduft war nicht zu ignorieren. In der Keauhou Bay angekommen, bezogen wir unser riesengrosses Zimmer (kein Sarkasmus, wirklich nicht... wirklich!) in einem riesengrossen Hotel (auch kein Sarkasmus).

Heute ging wieder einer meiner Wünsche in Erfüllung. Wir setzten uns nicht allzu früh mal ins Auto und begannen unsere Reise auf den höchsten Berg der Erde. Nein, wir sind nicht in Nepal. Der Mauna Kea ist nämlich der höchste Berg der Erde, wenn man den ganzen Berg bis zum Sockel misst. Zwar ist der Mount Everest der Höchste über Meer, der Mauna Kea jedoch der Höchste generell. Nun wenn ihr jetzt dachtet, wir reden hier von 6-7 tausend Meter über Meer, falsch gedacht. Mit seinen 4205 Metern ist er im Rennen der M.ü.M.'s nicht weit vorne. Er ist aber immernoch höher als alles andere in einem Umkreis von 5000 km. Und weil er in der Mitte des Pazifiks sitzt, ist er der perfekte Ort für Astrologen. Und weil er der perfekte Ort für Astrologen ist, ist er der perfekte Ort für Touristen. Etwas verwirrend, ich weiss. Aber: wenn die Astrologen riesige Teleskope wollen, dann braucht es eine Strasse. Und wenn es schon eine Strasse hat, wieso nicht Touristen mit einem 4x4 (get it? Jeep!) hoch fahren lassen? Im Vertrauen muss ich jetzt etwas sagen: ich war ja auf dem Klein-Matterhorn auf 3883 Metern. Schon etwa 100 Mal auf dem Titlis und was weiss ich auf welchen Bergen. Ich, als bergerprobter Schweizer, hatte mit dem Mauna Kea etwas zu kämpfen. Und ich sag euch etwas. Von Meereshöhe (0 m) auf den Mauna Kea (4205 m) ist kein Kindergeburtstag. Weil man mit dem Auto hoch fahren kann, ist man "zu schnell" für den Körper und kann kaum aklimatisieren. Resultat: Schwindel, Kopfschmerzen. Anzeichen der Höhenkrankheit. Livia und ich hatten beide minimale Anzeichen. Die Frage ist: wie lange ist man ausreichend zurechnungsfähig, um die eigenen Symptome unter Kontrolle zu haben? Denn das nächste wäre Anzeichen wäre "schlechtes Einschätzungsvermögen". Keine Angst, davon waren wir meilenweit entfernt. Oder doch nicht? Ich kann fliegen und springe nun vom Balkon!

Nein, mache ich nicht. Morgen ist endlich ein Ruhetag. Etwas hierhin fahren, etwas dahin fahren, und dazwischen immerwieder mal an den Strand liegen. Das ist zumindest der Plan.

Aloha!