The End is here: Whangarei - Auckland

Hmm... Die etwas Fakten-orientierten Berichte kommen wohl nicht so gut an. Aber leider muss ich hier wieder einigen Fakten nachjagen, denn schliesslich führte uns der Weg nach Norden vorbei an den historisch gesehen wichtigsten Orten Neuseelands. Zuerst jedoch machten wir eine Pinkelpause in Kawakawa. Ihr fragt euch wohl, weshalb ich eine Pinkelpause erwähne...

Naja, es ist mir eben keine bessere Überleitung eingefallen zu den Hundertwasser-Toiletten. Ganz genau, der Österreicher hatte nämlich viele Jahre in Kawakawa gelebt, und mitten im Dorf öffentliche Toiletten erbauen lassen. Erleichtert ging es weiter in die vorher angesprochene Region. So nahmen wir von Opua die Fähre nach Okiato, der ersten Hauptsadt Neuseelands. Schwer vorstellbar, wenn man das Kaff heute sieht. Mit dem Auto ging es weiter nach Russell, welches insgeheim die erste Hauptstadt war, diese jedoch nicht wurde, weil der erste Governor seinen Sitz im 8 Km entfernten Okiato erbauen liess. Dennoch steht in Russell das erste Restaurant des Landes, die erste Kirche und der "Flagstaff", ein Mast, an dem die Englische Fahne gehisst wurde. Behaltet euch das noch kurz in Erinnerung, komme gleich nochmals darauf zurück.
Mit der Fähre gings zurück nach Opua und dann weiter nach Waitangi. Dem Einen oder Anderen dürfte das ein Begriff sein. In Waitangi wurde das "Treaty of Waitangi" unterzeichnet, das welches Pakeha (Europäer) und Maori die selben Rechte einräumte. Zumindest theoretisch. Denn, und jetzt kurz zurück denken, dies war nicht vollumfänglich der Fall, weshalb ein Maori-Oberhaupt den Flagstaff von Russell ab und zu mal fällte. Ganze fünf Mal. Als Protest. Nach dem fünften Mal hatten die Briten die Schnauze voll und richteten ihn gar nicht mehr auf. Als Zeichen der Versöhnung, machten das dann ein paar Jahre später die Maori selber. In Waitangi kann man die "Treaty Grounds" abwandern, und somit kann man in den Fussspuren der Gründer dieses Landes laufen. Zudem kann man ein Whare (Maori-Vesammlungshaus) besuchen. Weisse haben sonst nur auf exklusive Einladung eines Stammesoberhaupts Zutritt in ein Whare. Ausserdem kann man das grösste Kriegskanu der Maoris betrachten, dessen Name etwa so lang ist wie das Boot und ich deshalb keine Ahnung mehr habe, wie das Ding hiess. Nach etlichen Stunden des Umherlaufens und Sachen lesen, machten wir uns dann doch weiter nach Kerikeri, wo wir uns in einem Motel niederliessen.

Am nächsten Morgen stand mehr oder weniger die Tour de Northland an. Die Strasse beschreibt ein etwa nierenförmiges Oval, im Osten und Norden der Küste entlang und im Landesinneren wieder zurück. Und im Norden liegt auch der kleine Abstecher über die "Million Dollar View Road". Auch wenn die Strasse traumhafte Ausblicke ermöglicht, der Queen Charlotte Drive hätte den Namen eher verdient. Wir belohnten uns für den Umweg in Mangonui mit den besten Fish'n'Chips, die wir hatten. Aud Zeitgründen verzichteten wir schliesslich auf die Nordspitze, Cape Reinga, die sich wie ein Finger nach Norden streckt. Somit steuerten wir direkt unseren Übernachtungsort an: Kaikohe. Nachdem wir etwa drei Mal durchs Dorf fuhren und uns die Unterkünfte anschauten, entschieden wir uns zurück ins 32 Km entfernte Kerikeri zu fahren, um da zu Nächtigen. Ich beschreib es mal mit den Worten, die ich benutzte, als uns die im Motel in Kerikeri fragten, weshalb wir denn wieder zurück seien: "in Kaikohe, everything is either full, or rubbish". In Kerikeri jedoch wussten wir wir was wir hatten und das erst noch zu einem moderaten Preis. Da lohnen sich die Ausgaben für die 32 Km Weg.

Der Dienstagmorgen begann erst mal nicht allzu fröhlich. Über Nacht hatte es unsere Wäsche verregnet. Wie lustig... Tumbler fällt weg, sonst können wir unsere Merinowolle einem Kleinkinderheim spendieren. Um den halben Tag zu warten, hatten wir einfach keine Zeit. Schliesslich breiteten wir alles im Auto aus. Der Fahrtwind der offenen Fenster wird schon alles trocknen. Bemerkung am Rande: wir konnten die Klimaanlage nicht benutzen, da so ein dämlicher Spatz zwischen Frontschürze und Kühler eingeklemmt war. Und immer wenn der Kühler auf Temperatur kam, roch es nicht ganz angenehm im Inneren. Also blieb die Klima aus und die Fenster offen. An dieser Stelle sei zudem gesagt, dass Spatzen wirklich ein Spatzenhirn haben. Das sind die einzigen Vögel, die massiv suizidgefährdet sind. Alle Anderen waren clever genug zu wissen "Ahh, Auto. Schnell, gross und hart. Ich muss weg!" Nur die Spatzen nicht... Ich vermute, die sind in Gangs organisiert. Um in einer Gang aufgenommen zu werden, gibt es Rituale. Die Feiglinge werden vermöbelt, die Krassen aufgenommen und die Dummen hängen im Kühler. Charles Darwin nennt es "natural selection". Sorry, hab den Faden etwas verloren. Ach ja, wir fuhren nach Süden. Nach fast einem Monat fuhren wir mal wieder nach Süden. Zuerst hielten wir jedoch bei den Wairere Bouldern (an die Aufmerksamen unter euch: nein, die Wairere Falls und die Wairere Boulders haben nichts miteinander gemein, abgesehen davon, dass womöglich jeder dritte Fluss in Neuseeland Wairere heisst). Die Boulders wurden auf em Land von einem Schweizer Paar entdeckt. Rita und Felix. Dabei handelt es sich um Felsblöcke, die in einem Tal liegen. Felsblöcke mit dem Durchmesser von bis zu 7 Metern. Hunderte davon. Rita und Felix haben Wanderwege und Brücken angelegt, um das geologisch einzigartige Gebiet dem Besucher zugänglich zu machen. Leider können die Fotos nicht annähernd die Grösse und Menge widergeben. Allgemein war dies ein interessanter Tag in Bezug auf die Natur. Der nächste Stop nämlich war beim "Tane Mahuta", dem "Lord of the Forest". Der Tane Mahuta ist der grösste noch lebende Kauri-Baum. Zumindest in Bezug auf das Volumen. Der Älteste ist er auch, mit einem Alter von rund 2000 Jahren. Wieder ein kleiner Exkurs in die Geschichte (für die Desinteressierten, weiter gehts im nächsten Abschnitt): Riesige Kauriwälder bedeckten einst das ganze Northland. Mit einer Lebensdauer von run 2500 Jahren, sterben die Kauris aber immer wieder ab und regenerieren so den Wald über Jahrtausende. Mit den Eiszeiten und dem damit verbundenen Schwanken des Meeresspiegels, wurden so im Laufe der Zeit gefallene Bäume unter der Erde begraben. So liegen an gewissen Stellen bis zu drei Schichten Kauristämme in einer Tiefe bis zu 90 Metern begraben. Und da das Kauriholz enorm widerstandsfähig ist, haben die Stämme das überlebt und werden heute als sogenannte "Swamp Kauri" aus der Erde geholt. Mittels Radiokarbondatierung kann das Alter des Holzes nicht selten in die 40'000-er gesetzt werden. Entsprechend teuer sind auch die Produkte aus dem Holz.
Die Fahrt durch den wunderschönen Waipoua Forest mit seinen mächtigen Bäumen endet leider zu schnell und macht Weideland Platz. Unser nächster Übernachtungsort war Dargaville. Ein Ort, der für den Export von Kauriholz blühte, aber mindestens 95% von seinem Glanz verloren hat. Genauso wie unser 3*Plus Motel, mehr will ich dazu nicht sagen. Entsprechend früh war dann auch der Start in den nächsten Tag.

Leider war dies bereits unsere zweitletzte Fahretappe. Diese führte uns am Kaipara Harbour entlang nach Helensville und dann nach Kumeu. Unterwegs hielten wir im Kauri Museum. Ein Must-Do auch für nicht-Museum-Gänger wie uns. Mit vielen Exponaten und Relikten aus der Vergangenheit wird die eindrückliche Geschichte der Kauri-Industrie erklärt. Und wenn man den Eintritt mal bezahlt hat, darf man später wieder rein. Was wir natürlich vollkommen ausgenutzt haben, da wir ja in Dargaville kein Frühstück hatten und das Café nebenan so verlockend war. Nachdem wir den Rest des Museums absolviert hatten, besuchten wir natürlich auch noch den Souvenir-Shop mit seinen sehr schönen Tellern und Schüsseln und was es nicht alles aus Kauriholz gibt. Leider mussten wir feststellen, dass wir erst eine satte Lohnerhöhung einfordern müssen, falls wir das nächste Mal etwas kaufen wollen. Schalen mit einem Durchmesser von etwa 25 cm gibt's ab rund 400 Dollar. Der weitere Weg in Richtung Kumeu verlief dann weniger spektakulär. Erst kurz vor Kumeu gibt es wieder Wineries. Die Erste, die wir besuchten, war ein bisschen eine Teilentäuschung. Dies deshalb, weil der Wein zwar gut war, aber nicht lokal. Bei der Zweiten sah es dann besser aus. Der Wein zwar nicht ganz so gut, dafür lokal. Immernoch besser, als die Trauben 800 Km zu transportieren, um ihn lokal zu keltern. Für eine dritte Winery hats nicht mehr gereicht, da ich schliesslich noch zum Bed and Breakfast fahren musste. Etwas verwundert waren wir zugegebenermassen schon, als wir die Regenbogensymbole sahen. Wie es sich heraus stellte, nächtigten wir in einem sogenannten "gay-friendly" B&B. Und der Besitzer war definitiv schwul. Uns wars jedenfalls egal, umso weniger, da er sehr freundlich und nett war.

Kumeu ist nur noch etwa 40 Minuten von Auckland entfernt. Unsere letzte Etappe war also eine sehr kurze. Naja, zumindest bis in die Stadt. Dann aber noch eine Tankstelle finden ist etwas schwieriger. Nach etwa weiteren 40 Minuten waren wir tatsächlich vollgetankt bei der Vermietung. Auto abgeben und deshalb nun wieder das Resumée (Benzin hatten wir leider nicht aufgeschrieben, deshalb geschätzte Kosten nach Kilometer):
2957 Km Südinsel, 7.8 L/100 Km bei durchschnittlich $2.18/L = $502.81
3047 Km Nordinsel, 7.0 L/100 Km bei durchschnittlich $2.12/L = $452.18
Total: 6004 Kilometer gefahren, Benzinkosten von NZ$ 954.99!

Seit dem 02.02. sind wir nun in Auckland. Wie ich schon immer sagte, und immernoch sage, ist Auckland ein guter Ausgangspunkt. Es mag die grösste und wichtigste Stadt des Landes sein, mehr ist es leider auch nicht. Und trotzdem... es fällt mir verdammt schwer morgen ins Flugzeug zu steigen und Neuseeland, ja sogar Auckland zu verlassen. Klar, ich freue mich riesig auf Hawaii, da wollte ich als Kind immer schon hin. Aber Neuseeland, die Diversität, die blanke Schönheit und nicht zuletzt die Menschen, die ich kenne, vermisse ich jetzt schon. Im Moment, in Auckland, ist es ein kurzen Flug nach Christchurch, in die Stadt, die ich liebe. Morgen, bzw. genau jetzt sind es 8 Stunden, und etwas später die halbe Welt. Keine Angst, ich bin nicht verwirrt, aber weil wir die Datumsgrenze überfliegen, landen wir genau jetzt in Hawaii. Morgen und doch heute. Am 03.02.2012, 20.30 Uhr. Eben, jetzt. Komisch, wir fliegen doch erst morgen, 04.12.2012, 10.30 Uhr. Auch das ist ein Punkt! Bin ich euch allen doch noch 12 Stunden voraus, hinke ich morgen etwa 10 Stunden hinterher. Aber es ist klassisch, das lachende und das weinende Auge. Jetzt, nachdem ich quasi bereits gelandet bin, freue ich mich auf Hawaii. Und ihr euch hoffentlich auf den nächsten Bericht.

Good bye New Zealand, I'll be missing you!