Der Berg ruft: Taupo - Wangharei

Das letzte Mal versuchte ich mich als Autotester. Das hat, so glaube ich, nicht sonderlich gut funktionniert. Aber so schnell gebe ich nicht auf, ich habe nämlich schon einen neuen Temporärjob gefunden. Da die Neuseeländischen Meteorologen offensichtlich noch schlechter sind als unsere Schweizer, dachte ich, ich könnte mal das Wetter studieren. Jedoch erst nach einem gewissen "Vorkommnis". Wie im letzten Bericht angetönt, fuhren wir von Taupo nach New Plymouth.

Vorbei am schönen Tongariro Nationalpark. Markant sind die drei noch immer aktiven Vulkane, wovon der Mount Ruapehu der höchste ist und erst noch 2007 einen kleinen Ausbruch hatte. Und nach dem "Forgotten World Highway" stand der wohl Mächtigste der Mächtigen vor uns, der Mount Taranaki. Das langersehnte Treffen mit dem Riesen fand statt. Okay, mit etwas über 2500 Meter ist er vielleicht nicht der höchste Berg, was ihn aber so mächtig macht ist der Fakt, dass der Mount Taranaki sich als fast perfekter Konus aus dem Meer erhebt. Und so gesehen ist er imposanter als manch ein Dreieinhalbtausender, der sich aber erst ab 2000 Metern entfaltet. Und für alle meine Arbeitskollegen: Die Taranaki Powerplant steht gleich davor. Und ich kann sagen, sie scheint sehr gut zu laufen. Der sonore Ton, die feine Vibration am Boden und das Flackern der Luft der heissen Abgase über dem Kamin waren eindeutige Zeichen. Und da der Wetterbericht für den nächsten Tag sensationell war, machten wir uns auf den Weg ans jährlich stattfindende "Festival of Lights" in New Plymouth. Der Stadtpark wird dabei von Lampen in diversen Farben ausgeleuchtet und kreiert dabei eine ganz eigene, spezielle Athmosphäre. Untermalt wird das ganze von Live-Bands, die auf der grossen Wiese spielen.

Wie gesagt, der Wetterbericht für den 25.01. war sensationell. Und in New Plymouth schien die Sonne und kaum eine Wolke war zu sehen. So entschieden wir uns, den Taranaki mal zu umrunden, um den besten Spot für ein Photo zu finden. Nur eben, nun kommt die Sache mit den Meteorologen. Wir fuhren noch keine 20 Kilometer und wir waren in den Wolken und konnten die Spitze nicht mehr sehen. Nach weiteren 20 Kilometern regnete es. Und ich fragte mich, was an "fine" ich wohl falsch verstanden haben könnte. Sehr genervt fuhren wir mit der Umrundung fort. Genervt deshalb, weil ich drei Mal nach Neuseeland kommen muste, um den Taranaki zu sehen, der am vorigen Abend noch wolkenlos strahlte und ich Idiot habe mich auf den Wetterfrosch verlassen. Der natürlich keine Ahnung von seinem Job hatte. Deshalb dachte ich, was die können, kann ich schon lange. Folglich: Was passiert wohl, wenn Wolken vom Meer, rund 500 Meter über Boden auf einen Berg treffen, der 2500 Meter hoch ist? Ganz einfach, sie sehen sehr, sehr schlecht aus. Die Wolken lösen sich beim Aufstieg auf und somit entsteht auf der Windschattenseite ein Kegel, der absolut Wolkenfrei ist. Ausser an der Spitze der Berges, denn da kondensieren die Wolken wieder ein wenig. Aber gut genug für mich, doch noch ein Foto zu kriegen. Jedoch interessant war eben genau der Effekt, dass der Berg durch seine Grösse sein eigenes Wetter macht. Hoffentlich liest kein Meteorologe diesen Eintrag. Unter Umständen habe ich nur Müll geschrieben. Wenigstens war das Wetter gut genug, dass wir noch ein wenig wandern konnten, bevor wir dann in New Plymouth ein Abschiedsbier trinken konnten.

Leider mussten wir am nächsten Morgen den schönen Ort bereits wieder verlassen und wir fuhren weiter nach Norden. Unser neues Ziel war Matamata, eine Kleinstadt im Nirgendwo. Und doch hat die Stadt einen gewissen Bekanntheitsgrad, jedoch eher unter dem Namen "Hobbiton". Etwas ausserhalb wurden die Szenen mit dem Hobbits-Dorf aus Herr der Ringe gedreht. Unser Besuchsgrund war jedoch ein anderer. Nahe des Städtchen liegen die Wairere Falls. Mit 150 Metern sind ie zwar nicht die höchsten des Landes, aber gehören zu den höchsten freifallenden Fällen. Leider hat meine neu erworbene Wetterspürnase (ich hab sie "Internet" getauft) einmal mehr schlechtes Wetter voraus gesagt. Und die Wolken hingen tatsächlich so tief, dass wir nur zum Lookout wanderten, nicht aber zu den Fällen hoch. Man hätte in den Wolken gesessen und keine Aussicht über die Waikato Plains gehabt. Somit konnten wir uns dafür etwas früher auf den Weg nach Whitianga auf der Coromandel Halbinsel machen, was in Bezug auf die Aussicht wohl einer der schönsten Plätze Neuseeland ist. Ausser, es regnet mal wieder. Wobei, selbst dann ist es schön. Gegen Abend rissen die Wolken etwas auf und wir machten uns auf an den Hot Water Beach. Ein Strandabschnitt, bei dem bei Ebbe kochendes Wasser aus dem Sand sickert. Leider konnten wir uns keine eigene Kuhle graben, amüsierten uns jedoch über all diejenigen, die den Quellen etwas zu Nahe kamen, während das warme Wasser unsere Füsse umspühlte. In Whitianga schliefen wir wiedermal in einem Backpackers, welches nicht zu den Highlights gehörte. Dafür trafen wir Susi aus Österreich und hatten einen guten Abend mit Leiterlispiel und Wein. Für sie geht das Abenteuer leider schon bald zu Ende. Dafür hatte sie auch 4 Monate.

Heute morgen standen wir etwas früher auf. Wir wollten bei schönem Wetter noch Cathedral Cove bestaunen, bevor wir dann unserer wohl längsten Fahrabschnitt in Neuseeland antreten wollten. Cathedral Cove ist ein natürliches Tunnel direkt am Strand. Und weil das nicht atemberaubend genug wäre, steht da noch der markante Felsen in der Bucht. Entsprechend beliebt ist der Spot auch bei Einheimischen wie Touristen. Nach dem 45 minütigen Marsch zurück zum Parkplatz staunten wir dann nicht schlecht, als unser Auto komplett zuparkiert war. Wir hatten einen Aktionsradius von etwa einem Meter. Als dann ein angrenzender Parkplatz frei wurd, versuchte ich irgendwie da raus zu kommen. Leider aufgrund der beengten Verhältnisse ein Ding der Unmöglichkeit. Und just als ich dem Abschleppdienst anrufen wollte, kam der Clown, der uns eingeparkt hatte, zurück und verschwand ziemlich schnell. Zu seinem Glück. So waren wir endlich auch wieder auf der Strasse. Und diese führte uns um die traumhafte Coromandel Peninsula herum und dann an Auckland vorbei ins Northland nach Whangarei. Der Plan für morgen ist da schon interessanter. Morgen werden wir uns nämlich auf die Spuren der Enstehungsgeschichte begeben. Zum Beispiel nach Waitangi, der Ort, an dem das Abkommen zwischen Briten und Maori's unterzeichnet wurde. Oder Okiato, der ersten Hauptstadt Neuseelands.

We will see!