The Hot Stuff: Wellington - Taupo

Wie im letzten Bericht angetönt, mussten wir unser Auto in Picton abgeben und ein neues in Wellington in Empfang nehmen. Entsprechend hüpfe ich mal in die Rolle eines Autotesters und gebe ein kurzes Résumée. Rund 3000 Kilometer in einem Ford Focus, 2.0 Liter Hubraum und rund 700 Kilometer in einem Mazda 3, auch etwa 2.0 Liter. Nun, ich habe vor längerem mal angetönt, dass der Focus nicht der Sparsamste ist. Nun kann ich das definitiv bestätigen. Der Mazda bringt es auf einen Durchschnittsverbrauch von ca. 7 Liter pro 100 Km, der Focus nur auf 7.8 Liter. Das macht auf die rund 3000 Kilometer 24 Liter und bei einem Literpreis von rund $2.10 genau $50.40. Blabla... wen interessierts.

Hier die Facts: Der Automat vom Focus ist Müll. Genauso wie die Lenkung, die chronisch krank ist. Der Motor auch. Der entwickelt leider nur gefühlte 2 PS. Gut sind die Sitze. Punkt. Der Mazda 3 seinerseits ist spritzig und agil. Jedoch erst wenn man über 50 km/h fährt. Darunter ist nämlich die Servolenkung so leichtgängig, dass man nur in eine Richtung zu schauen braucht und das Auto lenkt schon ein. Dumm nur, wenn da ein Baum steht. Zudem sind die Sitze so bequem wie ein Altglascontainer. Trotzdem würde ich den Mazda kaufen, nicht den Ford. So, genug über Autos. Nun zur Reise.

Wellington, die Hauptstadt Neuseelands. Nein, ich pflege hier nicht zu scherzen, Wellington ist wirklich die Hauptstadt, nicht Auckland. Wie auch immer. Leider waren wir etwas vom Wind geplagt, als wir unser Backpackers bezogen. So sehr, dass ich kaum die Türe des Autos aufbrachte. Sturmspitzen von 97 km/h wurden gemessen. An jeder Zimmertür klebte ein Zettel mit der Bitte, keine Fenster zu öffnen. War auch nicht nötig. Bei uns im 7. Stock pfiff es auch durch die geschlossenen Fenster. Davon liessen wir uns natürlich aber nicht beindrucken und begannen die Stadt zu erkunden. Mit nicht mehr allzu viel Zeit übrig entschieden wir uns dann bald fürs Te Papa, das Natur- und Kulturgeschichtsmuseum Neuseelands. Ja, auch wir gehen ab und an in ein Museum. Das Te Papa ist wohl aber auch eins der Besten weltweit. Und donnerstags ist es sogar bis 21.00 Uhr geöffnet, was einem reichlich Zeit einräumt. Einzig die müden Füsse vermögen einem zu stoppen. Was dann bei uns auch so war. Also: Essen, Wein, Bett. Auch an unserem zweiten Tag in Wellington stand ein grosses Programm an. Der Beehive (das Regierungsgebäude, welches ursprünglich als Spass so designed wurde), das Cable Car und Zealandia. Zealandia ist eine neue Attraktion. Es handelt sich dabei um eine "Naturinsel" fünf Minuten ausserhalb Wellingtons. Und in der Tat, in dem Seitental gibt es keine Häuser, keine Strassen und keinen Lärm. Der Park selber hat zum Ziel, in 500 Jahren so auszusehen, als hätte es die Menschen nie gegeben. Die grössere Frage meinerseits ist, ob es in 500 Jahren überhaupt noch Menschen geben wird? Jedenfalls ist der Park von einem Predator-proof Fence umgeben, also einem Zaun, der Schädlinge und Räuber vor der fragilen einheimischen Flora und Fauna fernhalten soll. Bezüglich Tierwelt wurde alles angesiedelt, was Rang und Namen hat. Der Tuatara, eine Echse aus der Dinosaurierzeit. Der Kiwi, der Takahe, der Kakapo und der Weka als Vertreter der flugunfähigen Vögel und einige "normale" Vögel wie der Tui, der Kaka und der Fantail. Und abgesehen von Kakapo und Kiwi haben wir auch alle gesehen. Ich muss langsam aufpassen, dass mir nicht ein Fernglas zulege und meine kostbare Freizeit auf irgend einer Wiese oder in irgend einem Wald verbringe.

Am Samstag ging unsere Reise weiter nach Napier. Eine relativ lange Strecke entlang dem "Classic NZ Wine Trail". Wegen Zeitmangel hatten wir jedoch mehr Trail als Wein. Zumindest bis Napier. Kurz vor Napier erklommen wir aber erst noch den Te Mata Peak. Fairerweise muss ich sagen, dass "erklommen" nicht ganz der richtige Ausdruck ist. Aber sagen wir einfach, wir waren oben. Mit seinen rund 400 Metern ist er zwar nicht besonders hoch, aber immernoch höher als alles Andere im Umkreis von etwa 50 km. Der Rundblick ist entsprechend fantastisch. Bei guter Sicht sieht man sogar rüber bis zum Mount Tongariro (weit, weit weg). Bevor wir unser Nachtlager bezogen machten wir dann aber eben noch einen Stop bei zwei Wineries. Meinem persönlichen Favoriten in ganz Neuseeland: Church Road Winery. Das Ergebnis war ein Minus von $135.- im Portmonnaie. Ein paar Meter weiter an der Church Road (die von der Winery waren einfallsreich bei der Namensvergabe) befindet sich eine weitere, sehenswerte Winery. Die Mission Estate Winery ist die Älteste im Land und die mit dem vermutlich schönsten Gebäube. Erbaut irgendwann um 1870. An Weinen zum Probieren waren sie leider aufgrund der Uhrzeit bereits ziemlich schwach auf der Brust, weshalb wir uns dann bald zu unserer Unterkunft aufmachten. Der anschliessende Abendspaziergang durch Napier war ein Augenschmaus. Die Art Deco Haupstadt der Welt in wunderschönem Abendrot. Ach ja, Art Deco... Napier wurde 1931 von einem schweren Erdbeben beinahe komplett zerstört. Die Stadt wurde dann eben im Art Deco Stil neu aufgebaut. Und das sieht toll aus. Umso verwunderlicher, dass an einem Samstagabend tote Hose herrschte. 55'000 Einwohner und etwa 50 davon in der Stadt. Und von denen arbeiteten 45 in Restaurants und Bars. Und die wiederum waren alle beinahe leer. So tranken wir eben unseren Church Road in unserem Appartment.

Der nächste Morgen enthielt nochmas eine Portion Sightseeing, bevor wir uns wieder ins Auto setzten und nach Taupo losfuhren. Taupo liegt nördlich des gleichnamigen Sees, dessen Grösse etwa der von Singapur entspricht und somit den grössten See Neuseelands darstellt. Den Abfluss bilden die Huka Falls, die Unmgengen von Wasser in den Waikato River schleudern. Um gleich danach wieder gestaut zu werden. Da die Mengen jedoch so gross sind, muss der Stausee im Sommer vier Mal am Tag Wasser ablassen. und dies ausgerechnet durch ein enges Tal. Das wollten wir uns natürlich nicht entgehen lassen. Bei den Aratiatia Rapids angekommen, waren vorerst wir das Einzige was rapid war, rapid zu Fuss zum Aussichtspunkt. Als dann jedoch nach 3 Sirenen die beiden Tore geöffnet wurden, sah die Welt ein wenig anders aus. Der Wasserpegel in der Schlucht stieg um ca. 6 Meter und aus einem fast trockenen Flussbett wurde eine reissende Wasserwand. In den Fotos könnt ihr ein Vorher-Nachher-Bild davon sehen. Leider hatte uns dann aber wiedermal der Regen eingeholt, und wir verkrochen uns in unserer Backpackers-Bar und nahmen am Pub-Quiz teil. Welches wir nicht gewinnen konnten. Woher soll ich denn bitteschön wissen, wie der zweite Vollmond in einem Monat heisst? In Englisch? Ich sags euch: Blue Moon. Und nun ehrlich zu euch selber sein: Hand hoch wer nicht wusste, dass es Monate gibt, in denen es zwei Vollmonde gibt. Macht nichts, ich wusste es auch nicht. Glücklicherweise hatte das Pub-Quiz, beziehungsweise die damit verbundenen Getränke, keine Auswirkungen auf heute Morgen. Schliesslich stand ein Ausflug nach Rotorua auf dem Plan. In Verbindung mit Besuchen von sogenannten Thermal Parks. Gestern Abend hatten wir uns noch die Köpfe darüber zerbrochen, welchen wir besuchen wollen. Heute hat sich herauskristallisiert, dass wir am besten gleich zwei machen. Aber der Reihe nach. Bereits um 9.15 fuhren wir in Taupo ab in Richtung Norden. Unser erster Stop und somit der erste Thermal Park war das Waimangu Thermal Valley. Ein gemütlicher Weg führt in das Tal hinein, wo es einige vulkanische Aktivität zu bestaunen gibt. Hauptattraktion ist die Frying Pan, ein See, der an der Oberfläche 55°C aufweist und drum ganz schön dampft. Zudem blubberts immer mal wieder und man ist irgendwo mal wieder in eine Schwefelwolke gehüllt. Interessant und schön, aber kaum auszumalen, wie es wohl vor der 1887 Eruption da ausgesehen hatte. Bei der Eruption explodierten rund 20 Krater. Leider war der Weg nicht ganz bis zum Lake Tarawera begehbar, angeblich wegen Unwettern. Also zurück zum Auto und weiter nach Rotorua. Ich wage mal die blinde Behauptung, dass Rotorua die wohl vulkanisch aktivste Stadt der Welt ist. Ein Schwefelgeruch liegt über der ganzen Stadt. Teils dampft es aus dem Boden. Häuser werden entsprechend teilweise durch Dampf geheizt, genauso wie das Warmwasser. Nach etwas Sushi machten wir uns wieder auf den Rückweg. Denn eine Sache liess mich nicht ganz los. So beeindruckend alles war, ich fand nichts so schön wie das Wai-O-Tapu Thermal Wonderland, welches ich zu dem Punkt bereits zweimal besucht hatte, und auch ein drittes Mal gerne ging. Via Tripadvisor haben wir interessehalber einige Berichte über die beiden Parks (Waimangu und Wai-O-Tapu) gelesen, da diese zu den meistbesuchten gehören. Viele kritisierten die hohen Besucherzahlen im Wai-O-Tapu. Wenn man jedoch "kurz vor Ladenschluss" noch rein geht, hat man den Park beinahe für sich allein. Und wie schön das ist. Und wie vielfältig. Das Highlight ist der sogenannte Champagne Pool. In 70 Metern Tiefe strömt 240°C heisses Wasser in der Krater, welches auf dem Weg nach oben so stark abkühlt, dass es an der Oberfläche noch 74°C hat. Am Rand entlang "wächst" eine orange Decke. Dies wird möglich durch Ablagerungen des Mineralwassers, das Eisen (rot) und Schwefel (gelb) enthält. Zusammen mit anderen, weniger farbinstensiven Mineralien bildet sich so eine Art orange Kruste.

Nun, zurück im Backpackers und ready for bed. Morgen steht wieder ein langer Tag an. Die Fahrt nach New Plymouth und somit zum Mount Taranaki. Das langersehnte Treffen, für das ich drei Mal nach Neuseeland kommen musste.

Take care!