Im Norden vom Süden: Westport - Picton

Bevor ich die neueste Etappe schreibe möchte ich euch kurz ermuntern ins Gästebuch zu gehen und den Eintrag von Hansruedi, meinem Onkel, zu lesen. Eine wunderschöne kleine Geschichte über Murphy's Law und ein schöner Nachtrag zu unserem Bericht über die Great Ocean Road. Danke, Hansruedi!

Der Bericht: Genau wie es der allmächtige Wetterdienst voraus gesagt hat, fanden wir beim Aufstehen in Westport blauen Himmel und Sonnenschein vor. Endlich waren unsere kurzen Hosen tatsächlich angebracht und nicht nur Symbol um sagen zu können "hier ist Sommer". Die Strecke von Westport nach Nelson führt grösstenteils entlang des Buller River. Somit fährt man durch ein wunderschönes Tal, auf einer kurvigen Strecke, zu einer Seite der Fluss, zur Anderen der Berg. Der Gasfuss und die Arme setzen das Auto mehr oder weniger auf Autopilot und man freut sich ab der Aussicht. Entsprechend schnell und fast schon überraschend wacht man auf, wenn man in Nelson ankommt. Dem etwas aufmerksameren Leser ist wohl aufgefallen, dass ich selten über unsere Unterkünfte schreibe. Das hat primär den Grund, dass die meisten unspektakulär sind, weder positiv noch negativ. In Nelson jedoch bezogen wir unser Doppelzimmer im Almond House Backpackers. Nun haben ja die Backpackers als Gemeinschaft nicht zwingend den allerbesten Ruf. Schmudelige Mehrbettzimmer mit einer Menge schnarchender und furzender Unbekannten. Die Zeiten haben sich jedoch etwas geändert und die meisten Backpackers bieten Doppelzimmer an. Welche natürlich auch etwas schmudelig sein können. Das Almond House hingegen war eine überaus positive Überraschung. Es hat gerade mal Betten für ca. 35 Personen, die meisten sind Doppel- oder Twin-Rooms. Zudem waren die Unterkünfte quasi im Quadrat angelegt, sodass in der Mitte ein schöner, windgeschützter Garten zum Verweilen einlud. Ausreichend Duschen, die so geräumig waren, dass man sein Auto hätte mitnehmen können und mit Plattenboden anstelle der üblichen Stahlwannen. Und das Highlight: Es verfügt über zwei Küchen. Für 35 Personen. Die anderen Backpackers haben in der Regel Platz für gefühlte 10'000 Gäste und eine Küche in der Grösse der Duschen im Almond House. Fairerweise muss ich sagen, dass wir die Küche nicht trotzdem nutzten. Diesmal jedoch nicht weil sie aussah wie der Geräteschuppen eures Opa's, nein, sondern einfach deshalb weil wir in Nelson mit Michi verabredet waren. Und anstelle davon, dass wir zu dritt die Küche unseres Backpackers bestaunen, befanden wir es für einiges sinnvoller auswärts zu essen und entsprechend etwas zu sehen. Wenn auch das Restaurant ein absoluter Klassiker war, ein Speight's Ale House. Nun, dass wir Michi trafen war im Endeffekt etwas glücklich. Nach rund drei Monaten in Asien kam er erst vor kurzem in Christchurch an. Sein Plan war eigentlich der Weg nach Süden, wären da nicht die Delfine in Kaikoura im Norden Christchurch's gewesen. Somit führte sein Weg eben doch nach Norden, und dies ermöglichte uns, dass wir uns treffen konnten. Nach dem Nachtessen wolten wir noch ein paar Bier trinken und unsere Reisegeschichten austauschen, nur leider ist Nelson an einem Montagabend ziemlich ausgestorben. Wir entschlossen uns deshalb etwas früher am Kissen zu lauschen und dafür am nächsten Tag einen Ausflug in die Golden Bay nördlich von Nelson zu unternehmen.

Das Hauptziel unseres Tagesausflugs waren die Pupu Springs bei Takaka. Alles weiteren Stops wurden spontan entschieden. So zum Beispiel der Hawker Lookout. Die Pupu Springs sind sind nicht nur wegen des lustigen Namens sehenswert. Schliesslich sind sie die grössten Frischwasserquellen der Welt. Oder die grössten mit so klarem Wasser, ganz begriffen hab ich es leider nicht. Jedenfalls haben sie einen Ausstoss von 14'000 Liter Frischwasser pro Sekunde und das Wasser ist so klar als wäre es gar nicht da. Etwas Pflanzenkunde war auch noch dabei, da wir unser erstes Silver Fern, Neuseelands Wahrzeichen, und einen Lancewood entdeckten. Danach ging es weiter nach Norden, nach Collingwood, wo das Mittagessen eingeplant war. Nur leider besteht Collingwood aus etwa 6 Häusern, wovon zwei davon Cafe's sind und die nicht gerade von Charme sprühen. So fuhren wir zurück ins Öko-Grüne Städtchen Takaka. Unser Mittagessen bestand aus Bio-Pizzas, einer Bio-Limonade, serviert in einem Restaurant mit dem Titel Dangerous Kitchen und der offensichtlichen Einstellbedingung fürs Personal, dass der Bewerber entweder Rastas oder ein dünnes Haarschwänzchen, mindestens jedoch weite und bunte Kleider tragen muss. Never mind, das Essen war gut und das war das Ziel. Am Abend und zurück in Nelson "wanderten" wir noch auf den Hügel neben der Stadt, der sich "Center of New Zealand" nennt und das geographische Zentrum von Neuseeland darstellt. Wenn auch die Aussicht auf Nelson beindruckender war als das Monument. Nach einer langen und sehr amüsanten Jump-Foto-Session gingen wir ins Almond House um noch ein paar Reisetipps auszutauschen. Was bei Bier und Wein doch etwas Zeit in Anspruch nahm. Trotzdem machten wir uns noch auf den Weg in die Stadt, um einen Abschiedsschlummi zu nehmen, da Michi am nächsten Morgen weiter nach Westen, und wir nach Osten fahren würden. Der nächste Blick auf die Uhr fand dann aber erst statt, als uns ein Einheimischer, der kaum noch stehen konnte und angeblich (nach eigener Aussage) 1200 Dollar für Drogen ausgegeben hatte und diese am selben Abend auch konsumierte. Eben die Uhr, die sagte uns dass es bereits zwei Uhr morgens ist und wir uns evtl. doch auch mal in Richtung Bett machen sollten. An dieser Stelle deshalb ein grosses Dankeschön an Michi für die gute Zeit in um um Nelson. Weitehin gute Reise!

Die Rechnung für den Abend erhielten wir dann am Morgen in form von Kopfweh und flauem Magen. Und das ausgerechnet an dem Tag, an dem wir den Queen Charlotte Drive nach Picton fahren werden, die vermutlich kurvigste Strecke der südlichn Hemisphäre. Zumindest fühlte sie sich so an. Andererseits war sie so unglaublich schön, dass wir uns einfach auf ein "Bänkli" setzten, die Aussicht genossen und gar nicht mehr merkten, dass es uns nicht ganz so gut ging, weil es uns ja so gut ging, weil wir diese Sicht erleben durften. Ein bisschen verwirrend der Satz, ich weiss. In Picton angekommen suchten wir erst mal ein Restaurant auf, um unsere nicht mehr nur flauen, sondern auch noch hungrigen Mägen zu beruhigen. Es war da, als wir uns mit Rosemary in Verbindung setzten. Rosemary ist Ali's Mutter und somit quasi meine Gastfamiliengrossmutter. Falls jemals jemand vom Duden das hier liest, bitte nehmt das Wort auf, ich finde es sinnvoll. Oder auch nicht. Whatever. Jedenfalls machten wir uns auf den Weg zu meiner Gastfamiliengrossmutter Rosemary um die Nacht da zu verbringen. Das letzte Mal als ich bei ihr übernachtete waren Ali und Michael auch noch da und ich hatte noch zwei Kollegen aus der Schule im Schlepptau. Ich glaube, Rosemary war erleichtert, nicht wieder so einen Tross beherbergen zu müss. Am Abend zeigte sich auch noch ihr Nachbar Mac. Mit ihm trafen auch diverse Zufälle ein. Denn just an dem Tag erreichte ihn ein Päckchen aus den Schweiz. Und in dem Päckchen hatte es einen Schlüsselanhänger aus dem Appenzell, wo ich ja ursprünglich herkomme. Und weil das noch nicht genug war, war es der selbe Anhänger, der mein Vater an seinem Schlüsselbund hat. Der rein zufällig den selben Vornamen hat wie die Person, die das Paket versendete. Darauf mussten wir trinken. Und essen und viel quatschen. Therefore: Thank you Rosmary for having us over. It was a wonderful evening (and of course a good night as well)!

Der heutige Morgen war etwas weniger wonderful, denn wir mussten machen was ich schon immer als sinnlos empfand: am Fährterminal in Picton das Auto abgeben, um in Wellington ein neues entgegen zu nehmen. Das bedeutete für uns, alle zu verräumen, das irgendwo aus gutem Grund im Auto gelegen hat. Wie das Badetuch, das trocknen musste. Oder die Regenjacke, die sich da perfekt zu Hause fühlte. Dann all das Gepäck schleppen, aufgeben, und in Wellington das selbe Spiel in umgekehrter Reihenfolge. Aber nun gut, wir haben keine andere Wahl. Und nun, gerade in diesem Moment fahren wir in die Bucht vor Wellington ein. Die Cook Straight war nicht gerade sanft, aber ganz in Ordnung. So wie es aussieht, macht jedoch Wellington's Wetter was es immer tut. Regnen. Mal wieder. Aber das kennen wir ja bereits.

Macht's gut und bis bald!