Schwimmhäute: Stuart Island - Westport

Also doch, es liegt wohl nicht an uns Binnenlandratten, dass uns auf der Überfahrt nach Stuart Island schlecht wurde, es war tatsächlich die sehr rauhe See. Schliesslich haben wir bei der Rückfahrt ernsthaft ein heisses Bordgetränk in Erwägung gezogen. Sorry wenn ich hier Fehler mache, sei es im Zusammenhang oder Orthographisch, aber am Tisch nebenan sitzen eine Japanerin und ein Hong Kong-Chinese und leider kann die Japanerin nur etwa 10 Englische Wörter und versucht unermüdlich die Konversation on-going zu halten. Ich kann nicht anders als mit einem Ohr zuzuhören und mich innerlich köstlich zu amüsieren. Nur leider bin ich ein Mann und bin nicht multitasking-fähig...

Aber zurück zu unserer Reise. Wie gesagt, die Rückfahrt war lächerlich. Die Wellen waren etwa so hoch wie im Wellenbad im Säntispark. Somit konnten wir uns ohne Erholungsphase ins Auto setzen und die Strecke nach Manapouri in Angriff nehmen. Der andere Punkt bezüglich der unproblematischen Überfahrt war übrigens der, dass wir am nächsten morgen wieder ein Schiff besteigen werden und diesmal auch darauf schlafen werden. Das ganze Unterfangen nennt sich Doubtful Sound Overnight Cruise und startet, eben, von Manapouri aus. Nun, vorab muss ich vielleicht erwähnen, dass die Neuseeländischen Fjordlands die regenreichste Region der Welt sind. 9 Meter Regen im Jahr. 9000 Millimeter! So war es doch schön, als wir bei strahlendem Sonnenschein die Überfahrt über den Lake Manapouri starten konnten. Am anderen Ende angekommen wartet der Wilmot Pass und die Manapouri Power Station, das grösste unterirdische Kraftwerk der südlichen Hemishpäre, und leider eines, das Alstom-Turbinen drin hatte, diese aber während eines Upgrades durch lausige GE's ersetzte. Der Wilmot Pass wird mittels Bus dann überquert. Am anderen Ende, somit am Anfang des Fjords (Sound ist eigentlich der falsche Namen) lag dann unser Schiff. Der Fjordland Navigator. Ein Dreimaster. Wenn auch nur der Schönheit halber, denn gefahren wird mittels Motor. Denn bereits James Cook realisierte, dass man mit dem ständig wehenden Westwind zwar super in den Fjord rein kommt, aber wie wieder raus? Etwa ein bis zwei Mal im Monat weht Ostwind, dann kommt man raus. Und da Cook stark am Fjord zweifelte, nannte er ihn Doubtful Sound. Da das Wetter zwar nicht mehr schön, aber wenigstens ruhig und trocken war, fanden nachmittags dann die "Aktivitäten" statt. Wie der Kapitän so schön sagte: Erst gibt es entweder einen Kajak oder Motorboot Ausflug, dann Schwimmen. Die ersten beiden sind freiwillig, Schwimmen ist obligatorisch. Wir haben uns für das unsportliche Motorboot entschieden. Und Livia tatsächlich fürs Schwimmen. Ich musste nicht mal die Zehen ins Wasser halten um die Temperatur auf -31 Grad zu schätzen, was mir Livia dann auch bestätigte. Deshalb an dieser Stelle, ein kleiner Applaus. Die Nacht war überaus ruhig und frei von Schaukeln. Die einzigen Wellen waren wohl die, die ein Seelöwe beim nächtlichen Umrunden unseres Schiffes auslöste. Der folgende Morgen war dann leider ein typischer Fjord-Morgen. Tiefstehende Wolken und jede Menge Regen. Haha! Wir haben in weiser Voraussicht Regenhosen und Regenjacke eingepackt! Zudem ist meine Kamera wasserfest. Also los aufs Deck und Delfine suchen. Nun, wir mussten feststellen dass unsere Voraussicht doch nicht so weise war, denn die Stoffschuhe liessen das Wasser wesentlich schneller durch, als das die Wanderschuhe getan hätten. Und mit richtig kalt-nassen Füssen mussten wir zähneknirschend anerkennen, dass die Delfine sich bei solchen Mistwetter auch nicht zeigen wollen. Da halfen auch die unerwarteten 5 Minuten Sonnenschein nicht weiter. Das war übrigens die einzige Regenpause für viele Stunden. Denn zurück in Manapouri setzten wir uns ins Auto und fuhren nach Queenstown. Ohne, dass es jemals aufhörte zu regnen.

Queenstown ist das Mekka der Adrenalin-Junkies. Hier wurde das Bungy-Jumping erfunden. Mittlerweilen gibt es in und um Queenstown gefühlte 271 Varianten davon. Dazu kommen eine Million andere, risikoreiche Sportarten wie Skydiving, Canyoning und Riverrafting. Leider war das Wetter, wie angetönt, nicht gut und wir konnten keins der vielen Sachen machen. So deckten wir uns im Sportgeschäft um die Ecke mit Merinowolle ein und setzten uns ins Speight's Alehouse zum Nachtessen. Gutes Bier, gutes Essen, was will man mehr. Die Nacht war dann etwas weniger gut. Wir hatten ein Doppelzimmer mit Dusche/WC in einen Backpackers gebucht. Soweit wäre alles in Ordnung gewesen. Nur sind ja die meisten Zimmer ohne WC und entsprechend ist dieses stark frequentiert. Zumal Queenstown auch die Partystadt ist und all das Bier wieder raus muss. Auch das wäre grundsätzlich kein Problem. Wenn doch nur die verdammte Türe einen Gummistopper hätte! Geschätze 35 Mal pro Stunde schlug die Holztüre mit gefühlten 128 km/h auf das Metall des Türrahmens. Während die Tür zu war, sang jemand im Flur. Mit anderen Worten: wer da schläft tut gut daran, früher betrunken zu sein als alle anderen, oder länger wach zu bleiben als alle anderen. Die Kombination aus beiden wäre optimal. Unser Ziel war aber eben ein anderes: morgens wieder aus den Federn und ab nach Wanaka. Ein schönes Städtchen am gleichnamigen See. Ein Abstecher ins "Puzzling World" durfte nicht fehlen. Eine Art "Erlebnismuseum", das sich voll und ganz der optischen Illusion gewidmet hat. Schräg, unkonventionell, aber definitiv beindruckend. Sogar beindruckender als das "Warbirds and Wheels" Museum. Die Exponate waren zwar interessant, aber für 4 Flieger und 10 Autos 20 Dollar zu zahlen ist dann doch etwas viel. Ach ja, es regnete immernoch. Gerade jetzt übrigens auch. Oder immernoch? Jedenfalls hätte uns Wanaka sehr gut gefallen, wären die Umstände etwas, sagen wir, einfacher gewesen.

Der Sonntagmorgen brachte eine willkommene Regenpause mit sich. Leider mussten wir uns auf den Weg machen und konnten nicht Wanaka auch bei schönem Wetter erkunden. Wenigsten konnten wir ein paar schöne Blicke auf den Lake Wanaka erhaschen, bevor wir zum Haast Pass empor "stiegen". "Stiegen" steht übrigens so da, weil man als Schweizer lachen muss, dass der Pass genannt wird. Meiner Schweizer Reisepass ist höher. Ehrlich gesagt, ich hab erst etwa 5 Kilometer nach der Passhöhe realisiert, dass wir bereits drüber waren. Und dies auch nur, weil der Fluss in die andere Richtung floss. Der Haast Pass hat aber auch eine gute Seite: er endet in Haast. Grundsätzlich nicht der Rede wert, hätte da nicht ein Schild gestanden "Whitebait". Whitebait ist eine lokale Spezialität, die ich sehr mag, aber leider relativ schwer zu finden ist. Das sind eigentlich Jungfische, ca. 2 cm gross und die werden dann zusammen mit Ei zu einem Omlett gebacken. Das ganze on Toast und einem Spritzer Zitrone und ein einfaches, aber sehr leckeres Essen steht bereit. Somit gestärkt machten wir uns der West Coast nach Norden folgend auf den Weg nach Franz Josef Glacier. Übrigens, nach dem Fjordland ist die West Coast die wohl zweit-regenreichste Region der Erde. Kaum waren wir über den Haast Pass, war der Regen wieder omnipresent. Ununterbrochen. Mal fest, mal... nein, schwächer eigentlich nie. Trotzdem machten wir uns auf, den Fuss des Franz Josef Gletschers zu erkunden. Diesmal mit wasserfesten Wanderschuhen. Nun, im Vergleich mit unseren heimischen Gletschern ist der ja nichts Besonderes. Nicht speziell lang, nicht speziell breit und auch nicht speziell schön. Was aber durchaus sehr faszinierend ist, ist dass man, hätte man die Strasse bis an den Fuss gebaut, nach 5 Minuten Autofahrt im Meer baden könnte. Wenn es nicht gerade schweinekalt und im Monsoonregen wäre. Klar, die Besserwisser unter euch werden jetzt sagen "aber in Alaska fliessen die Gletscher direkt ins Meer, da könnte man auch baden". Ja, mit einem 12 cm dicken Neoprenanzug vielleicht. Und nein, "cm" war kein Tippfehler. Wie dem auch sei, die Frage nach dem Baden stellte sich uns gar nicht. Schliesslich wäre der Regen bald in Schnee über gegangen.

Am folgenden Morgen stellte sich dann heraus, dass die Schneeangst gar nicht ganz so unbegründet war. Denn rund 1000 Meter über uns waren die Berge leicht gezuckert. Das war gestern noch nicht so... Geregnet hat es aber weiterhin. Den ganzen Weg bis nach Westport. Zuerst machten wir aber einen Halt in Hokitika, der Neuseeländischen Jade-Hauptstadt. Wir interessierten uns jedoch mehr fürs Cafe 39 und deren Whitebait Sandwich. Zudem mussten wir (also unser Auto) leider mal wieder an die Zapfsäule und fanden die bisher teuerste. 220.9 Cent pro Liter. Und unser Ford Focus ist der grössere Schluckspecht als Livia und ich zusammen. Augen zu und durch, bezahlt, weiter ging's. Der nächste grössere Stopp war dann erst in Punakaiki, bei den Pancake Rocks. Das sind Felsformationen die aussehen, als wären Pfannkuchen aufeinandergestapelt worden. Der ganze Fels unterteilt in ca. 5 cm dicke Schichten. Auf dem Parkplatz trafen wir auf einen Weka, einer der Verlierer der Evolution. Mit anderen Worten, eine der geschätzen 2500 Arten von flugunfähigen Vögeln. Dafür sind sie ganz süss. Unsere Etappe endete in Westport, wo wir, im Regen, das Cape Foulwind und die Seal Colony noch bestaunten bevor wir uns zum Nachtessen im Backpackers hin setzten. Und dann zum Bericht schreiben. und jetzt, ins Bett.

Morgen geht es weiter nach Nelson, wo wir hoffentlich Michi treffen werden, der bereits fast ganz Asien bereist hat und jetzt seine langen Reise mit Neuseeland abschliesst.

Ach ja, es regnet immernoch, aber morgen wird alles besser.